von Gott beglaubigte Wort des Alten und
Neuen Testaments eine verläßliche
Wegweisung für das menschliche Leben.«
Impuls
Benedictus
Benedictus
Der Wechsel in den Jahreszeiten wird von uns allen als ein enormes Erneuern und Reinigen der Natur empfunden. Etwas Ähnliches vollzieht sich auch im geistlichen Leben der Kirche, d.h. in uns, wenn uns alljährlich mit der Adventszeit ein neues „Jahr des Heiles“ angeboten wird. Spiralförmig verläuft unser Lebensweg hinauf in die Einheit mit Gott, in die geistige Konzentrierung allen Geschehens. Darin besteht nach dem 1. Kapitel des Epheserbriefes das große Werk des Schöpfergeistes, welches sich durch das irdische Wirken Jesu Christi offenbart.
In allen wichtigen Situationen des Lebens und der Geschichtsepochen sind die Übergänge das Entscheidende und sehr aufschlussreich. So finden wir im Lukas-Evangelium gleich zu Beginn in den drei Lobgesängen von Maria, Zacharias und Simeon Formulierungen, die die Beschreibung des. Überganges vom Alten zum Neuen Bund verdeutlichen.
Der Lobgesang des Zacharias bei der Geburt seines Sohnes Johannes, das BENEDICTUS, ist uns aus dem kirchlichen Morgenlob vertraut, da der heilige Benedikt es in seiner Regel für jeden Tag am Ende der Laudes vorsieht. Der erste Teil dieses Liedes (Verse 68 bis 75) ist ein Hymnus; der, wie auch das MAGNIFICAT, seine wesentlichen Gedanken aus dem Alten Testament nimmt und neu zusammenschweißt. Aber es geht im Benedictus nicht nur um ein Danklied auf die Geburt des Kindes Johannes, sondern vorrangig um den Anbruch der messianischen Zeit. Erst im zweiten Teil wird von der Geburt des Johannes gesprochen und sein Verhältnis zum Messias vorausgesagt.
Zacharias preist Gott, der Israel „heimgesucht“ und damit die Verheißung an Natan erfüllt hat (2 Sam 7): „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen (V. 68); er hat uns einen starken Retter erweckt im, Hause seines Knechtes David (V. 69). So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten (V. 70)“.
Im nächsten Vers wird Israels Errettung aus Ägypten und aus aller Feindesmacht besungen (V. 71): „Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.“
In den Versen 72 und 73 wird darauf hingewiesen, dass Gott seines Bundes mit Abraham gedacht hat: „Er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserem Vater Abraham geschworen hat.“ Im Schutz dieses Bundesgottes kann nun das Volk Israel in ungestörter Weise den Gottesdienst vollziehen und sein Leben führen (V. 74): „Er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos, dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsere Tage.“
Bis hierher ist das Benedictus ein rein jüdisches Gebet. Es zeigt uns den Einfluss jüdischen Betens auf die frühe Kirche. Die Anrede Davids als „Knecht Gottes“ (V. 69) kommt auch sonst in christlichen. Gebeten dieser Zeit vor. Der Christ konnte also seine Freude er die Ankunft des Messias in jüdischer Denkweise aussagen.
Im zweiten Teil des Benedictus (Verse 76 bis 79) folgt ein neuer Gedankengang. Der Blick wendet sich nun in Zukunft und weilt nicht mehr wie bis dahin in der Vergangenheit. Die Anklänge an jüdische Gebetsliteratur treten auffallend zurück. Nun geht es nicht mehr darum, das Heil der jüdischen Geschichtserfüllung zu besingen, sondern es tritt überraschend ein völlig anderes Motiv in den Vordergrund. Es ist das Thema, das letztlich ganze Predigt Jesu und sein Leben und Sterben bestimmt: Die Vergebung der Schuld des Menschen durch die Erfahrung (Erkenntnis) der Barmherzigkeit Gottes. Darin liegt zusammenfassend das entscheidend Neue des „Neuen Bundes“.
Das Benedictus ist ein „Geburtstagslied“, das den Täufer Johannes nicht nur als „Prophet des Höchsten“ besingt, vielmehr zugespitzt ist auf ihn den Vorläufer des Herrn, der hier als Messias und als „aufstrahlendes Licht aus der Höhe“ besungen wird. Zacharias spricht in direkter Anrede sein Kind an und weist ihn auf seine Lebensaufgabe hin: „Und Du, Kind, wirst Prophet des Höchsten genannt werden“, denn:
– „du wirst dem HERRN vorangehen und IHM den Weg bereiten“ (V. 76) und:
– du wirst sein Volk mit der Erfahrung (Erkenntnis) des Heils beschenken“, das in der „Vergebung der Sünden“ besteht (V. 77). Diese Vergebung der Sünden wird uns geschenkt zur freudvollen Erhellung unseres Lebens und zur Sicherheit auf unseren Wegen, denn:
– „durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten. des Todes, und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens“ (V. 78).
(P. Martin Uhlenbrock OSB)