von Gott beglaubigte Wort des Alten und
Neuen Testaments eine verläßliche
Wegweisung für das menschliche Leben.«
Impuls
Freut euch mit den Fröhlichen
Freut euch mit den Fröhlichen
Der Heilige ist fähig, mit Freude und Sinn für Humor zu leben. Ohne den Sinn für die Wirklichkeit zu verlieren, erleuchtet er die anderen mit einem positiven und hoffnungsfrohen Geist. Christ sein bedeutet »Freude im Heiligen Geist« (Röm 14,17), denn »auf die heilige Liebe folgt mit Notwendigkeit die Freude. Denn der Liebende freut sich über die Verbindung mit dem Geliebten […] Daher ist die Gefolgschaft der Liebe die Freude.«[99] Wir haben die Schönheit seines Wortes empfangen und es mit offenen Armen »trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt« (1 Thess 1,6). Wenn wir zulassen, dass der Herr uns aus unserem Korsett herausholt und unser Leben verwandelt, dann werden wir verwirklichen können, was der heilige Paulus forderte: »Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!« (Phil 4,4).
Die Propheten kündigten die Zeit Jesu, die wir nun leben, als eine Offenbarung der Freude an: »Jauchzt und jubelt!« (Jes 12,6). »Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude!« (Jes 40,9). »Freut euch, ihr Berge! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und sich seiner Armen erbarmt« (Jes 49,13). »Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil« (Sach 9,9). Vergessen wir nicht die Aufforderung Nehemias: »Seid nicht besorgt, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke« (8,10).
Maria hat verstanden, die Neuheit zu entdecken, die Jesus uns brachte, und sang: »Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter« (Lk 1,47). Jesus selbst war »vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude« (Lk 10,21). Wenn er vorüberging, »freute sich das ganze Volk« (Lk 13,17). Nach seiner Auferstehung herrschte dort, wo die Jünger hinkamen, »große Freude« (Apg 8,8). Uns gibt Jesus eine Sicherheit: »Ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln […] ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude« (Joh 16,20.22). »Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird« (Joh 15,11).
Es gibt schwere Momente, Zeiten des Kreuzes, doch nichts kann die übernatürliche Freude zerstören: »Sie passt sich an und verwandelt sich, und bleibt immer wenigstens wie ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit hervorgeht, jenseits von allem grenzenlos geliebt zu sein.«[100] Es ist eine innere Sicherheit, eine hoffnungsfrohe Gelassenheit, die eine geistliche Zufriedenheit schenkt, die für weltliche Maßstäbe unverständlich ist.
Normalerweise wird die christliche Freude von einem Sinn für Humor begleitet, sehr markant zum Beispiel beim heiligen Thomas Morus, beim heiligen Vinzenz von Paul oder beim heiligen Philipp Neri. Missmut ist kein Zeichen von Heiligkeit: »Halte deinen Sinn von Ärger frei!« (Koh 11,10). Es ist so viel, was wir vom Herrn erhalten, »um es zu genießen« (1 Tim 6,17), dass die Traurigkeit mitunter mit Undankbarkeit zu tun hat: Man ist so in sich selbst verschlossen, dass man unfähig wird, die Geschenke Gottes anzuerkennen.
Seine väterliche Liebe lädt uns ein: »Mein Sohn, tu dir selbst Gutes […] Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages« (Sir 14,11.14). Er will, dass wir positiv sind, dankbar und nicht zu kompliziert: »Am Glückstag erfreue dich […] Gott hat die Menschen recht gemacht, sie aber haben sich in allen möglichen Berechnungen versucht« (Koh 7,14.29). In jedem Fall muss man einen beweglichen Geist bewahren und es wie der heilige Paulus machen: »Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden« (Phil 4,11). Dies lebte der heilige Franz von Assisi. Er konnte angesichts eines Stücks harten Brotes von Dankbarkeit ergriffen werden oder Gott allein wegen der Windbrise, die sein Gesicht streichelte, glücklich lobpreisen.
Ich rede nicht von der konsumorientierten und individualistischen Freude, die in einigen kulturellen Ausprägungen von heute so präsent ist. Denn der Konsumismus stopft das Herz nur voll; er kann gelegentliches und vorübergehendes Vergnügen bieten, aber keine Freude. Ich beziehe mich vielmehr auf die Freude, die man in Gemeinschaft erlebt, die man teilt und verteilt, denn »geben ist seliger als nehmen« (Apg 20,35) und »Gott liebt einen fröhlichen Geber« (2 Kor 9,7). Die geschwisterliche Liebe vervielfacht unsere Fähigkeit zur Freude, weil sie uns fähig macht, uns über das Wohl der anderen zu freuen: »Freut euch mit den Fröhlichen« (Röm 12,15). »So ist es uns eine Freude, wenn wir schwach dastehen, ihr aber euch als stark erweist« (2 Kor 13,9). Wenn wir uns dagegen »vor allem auf unsere eigenen Bedürfnisse konzentrieren, verurteilen wir uns dazu, mit wenig Freude zu leben«.
(Papst Franziskus, Gaudete et exsultate, 2018, Nrr. 122-128)