Impuls
Das wichtigste Talent
Das wichtigste Talent
Zu lieben ist das wichtigste Talent, das große, alles durchflutende Geschenk in unserem Leben. In der Liebe sind wir zwei: derjenige, der geliebt wird, und derjenige oder diejenige, die liebt. Die Liebe ist Quelle unendlicher Freude — aber Liebe kann auch gleichzeitig schmerzen. Es gilt, sie entgegenzunehmen, offen zu sein für sie, wenn sie zu uns kommen will, oft in ganz kleiner Münze. Hier erlebt der Mensch, auch der Mönch, der nach Liebe hungert, dass er gesehen und geliebt wird, so wie er ist. Das ist die große Liebe.
Sie bedeutet aber auch Gabe zum Weitergeben. Zu lieben heißt, für andere da zu sein und etwas von sich selbst zu geben, ohne daran zu denken, was wir zurückbekommen. In unserer Fähigkeit zu lieben bleiben wir begrenzt. Überfordern wir uns darin nicht. Geben wir getrost unsere Einsamkeit zu und leben mit ihr! Das gehört zu einem Zönobitenleben. Wenn wir nur der Gottsuche treu bleiben, zu ihr umkehren und nicht aufgeben, auf Heilung zu hoffen! Das Kloster ist wie jeder andere Ort auf der Welt voller Mängel und Sehnsucht nach Leben: Wenn wir dies akzeptieren, werden wir das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden, Möglichst niemandem, auch uns selbst nicht, Schaden zufügen, Kränkungen vermeiden, die Freude suchen und in jedem Menschen eine Botschaft Gottes an uns erkennen. Es bringt uns Schritt für Schritt weiter zum weit geöffneten Herzen, das der hl. Benedikt seinen Mönchen in Aussicht stellt.
(Abt Laurentius Schlieker OSB)