von Gott beglaubigte Wort des Alten und
Neuen Testaments eine verläßliche
Wegweisung für das menschliche Leben.«
Impuls
Erinnerungslücken
Erinnerungslücken
Es gibt ein paar wichtige Dinge in meinem Leben, an die ich mich partout nicht erinnern kann. Da ist zuerst meine Taufe. Dass die am 11. Januar 1959 stattgefunden hat, beweist eine Bescheinigung der Pfarrei. Außerdem gibt es davon zwei Schwarz-Weißfotos. Und ich kannte meine Patentante, die inzwischen schon seit fast 20 Jahren tot ist. Die Taufe in einer Art Notkapelle, da die arme Diasporagemeinde St. Richard in Berlin-Neukölln sich keine große Pfarrkirche leisten konnte. Viele Gäste sind bei meiner Taufe bestimmt nicht dabei gewesen. Vielleicht nicht einmal meine Geschwister. Wir waren ja kinderreich. Da machte man 1959 von so etwas kein großes Aufheben. Ich kann mich auch nicht an die Taufe meines jüngsten Bruders erinnern, der fünf Jahre später als Nachzügler auf die Welt gekommen ist. Alles war so selbstverständlich. Wir wuchsen als Christen auf und stellten nicht viele Fragen.
Heute aber frage ich mich schon, was wäre, wenn meine Eltern mich nicht hätten taufen lassen. Wenn sie mich nicht mitgenommen hätten sonntags in die Kirche. Wenn wir nicht auch zuhause die großen Feste des Glaubens gefeiert hätten. Wenn uns nicht im Religionsunterricht die alten Geschichten des Glaubens erzählt worden wäre und wir mittags und abends gebetet hätten.
Heute bin ich mir ganz sicher. Mein Leben wäre ganz anders verlaufen. Möglicherweise hätte ich einen normalen Beruf ergriffen und wäre wie die meisten meiner Schulkameraden inzwischen schon ein Rentner. Vielleicht hätte ich eine Familie gegründet und könnte mich schon an den fast erwachsenen Enkelkindern freuen. Aber ich finde: Mein Leben wäre ohne den Glauben doch ärmer geworden.
Noch immer finde ich es gut, abends im Bett zu liegen, die Augen schließen und unserem Gott leise Danke sagen zu können. Und noch immer finde ich es immer wieder gut, mich in vielen Gotteshäusern zuhause zu fühlen. In den Kirchen und in meinem Zimmer das Kreuz zu sehen. Es sagt mir, dass Gott mit uns leidet. Und noch immer finde ich es gut, immer neue Gesten der Versöhnung zu finden. Noch immer ist es gut, ein Licht in sich zu tragen, eine Hoffnung. Noch immer ist es gut, mit anderen Christen und Christinnen zusammenkommen und den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu feiern.
(Pater Marcel Alber OSB)