von Gott beglaubigte Wort des Alten und
Neuen Testaments eine verläßliche
Wegweisung für das menschliche Leben.«
Impuls
Durchrütteln
Durchrütteln
Eine anständige Daunendecke muss von Zeit zu Zeit ordentlich gelüftet, gerüttelt und geschüttelt werden, damit sie länger wärmt. So ähnlich ist es auch mit unserem Glauben. Der braucht auch viel frische Luft, wenn er uns über viele Jahre, ein Leben lang wärmen soll. Und ganz sicher muss er auch von Zeit gerüttelt und geschüttelt werden. Sonst beginnt er zu müffeln und verliert seine Kraft. Am Ende sieht er nur noch ein bisschen aus wie ein Glaube. Das kann uns alles passieren. Wir sehen dann zwar noch aus wie Gläubige, aber wir haben keine Kraft mehr in uns. Unsere Worte sind noch immer dieselben wie früher, aber sie klingen reichlich kühl. Die frommen Sätze von einst sind zu frommen Sprüchen verkommen, Karikaturen ihrer selbst. Das braucht keiner. Und wir alle wissen: viele Menschen in unserer Umgebung haben sich abgewandt. Sie haben sich abgewandt und erwarten nichts mehr von den Gläubigen. Da gehen sie lieber in ihren Yoga-Kurs oder zum Therapeuten. Viele, darunter auch sicher viele vermeintliche Gläubige, machen es sich noch einfacher: Sie stellen gar keine Fragen mehr, sie suchen nicht, sind glücklich mit dem, was sie haben, dem, was gerade ist. Wie käme ich dazu, solchen Menschen einreden zu wollen, dass das nicht reiche. Im Gegenteil: ich sollte mich von ihnen befragen lassen. Mich durchrütteln und durchschütteln lassen. Haben sie nicht recht? Geht es nicht auch ohne meine religiösen Sprüche und meine vielen formalisierten Gebete den ganzen Tag lang. Warum glaube ich eigentlich noch?
Ich stelle mir die Frage sehr ernsthaft. Ich stelle sie an mich selbst. Sie rüttelt und schüttelt mich. Warum falsch antworten? Warum irgendeinen an der Universität gelernten Spruch dazu aufsagen. Die Antwort könnte komplex ausfallen: eine ganze Lebensgeschichte, inzwischen über 60 Jahre. Die echte Antwort aber ist ganz einfach. Es gab Momente des Glaubens in meinem Leben, dich ich nie vergessen werde und für die ich immer noch unendlich dankbar bin. Momente, in denen alles ganz einfach wurde. In denen nichts war als Vertrauen. Vertrauen und Staunen. Momente der Verklärung, wo mir jemand sagte: »Hab keine Angst.« (vgl. Mt 17, 7).
Da war plötzlich klar: Da ist einfach nur Zusammensein. Da ist es gut, da zu sein. Es geht ohne alle Anstrengung. Ganz unverkrampft, ganz unverdient. Alles ist Gnade, alles Geneigtheit. Solche Momente habe ich nur im Glauben gefunden. Sie geben einen Vorgeschmack davon, was der Glaube verheißt. Da zu sein bei Gott. Ruhe zu finden bei Gott. Das hilft, auch die langen Zeitstrecken zu durchlaufen, in denen es schwer fällt zu glauben. »Gott gibt dazu die Kraft« (2 Tim 1, 8b). »Er hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium« (2 Tim 1, 10).
(P. Marcel Albert OSB)